Empowerment & Partizipation

 Partizipation: Was ist das?
Wo kommt das her? Und wo führt das hin?
 

Bewegungen der Partizipation, also der Wunsch nach Beteiligung besonders im gesellschaftlichen und politischen Rahmen, hatten in den 1960er Jahren Hochkonjunktur. Die IFI orientiert sich seit ihrer Gründung 1983 an dieser Grundhaltung, wie Susanne Ketelhut in ihrem Beitrag für die ifigenie 2/2012 beleuchtet hat.

 

 

Basisdemokratie und Selbstverwaltung als Gegenpool zur hierarchischen/autoritären Organisation von Gemeinschaften – darum ging es in den Anfängen der Diskussion um Beteiligung. Und es ging auch darum, Verantwortung für Gemeinschaften zu übernehmen und den Blick auf das Ganze zu richten.Die Idee, dass die Übernahme der staatlichen Kontrolle weniger werden könnte, zumindest in Teilbereichen, war in einem Teil der Menschen zunehmend stärker wahrnehmbar. Sie  waren bereit, auch das staatliche Sicherungssystem in Teilen zu verlassen und in die Selbst-Organisation zu gehen. Sie scheuten sich nicht, sich diesen häufig langen, zähen und kräftezehrenden Prozessen zu stellen.

Die Haltung, andere zu beteiligen und als Experten ihrer Interessen zu sehen und auch sich selbst mit diesem Bewusstsein zu betrachten, ist ein Wert, der die Basis der demokratischen Ordnung bildet. Partizipation ist eine Art Krisenmanager für die Bearbeitung von diversen Problemstellungen (interpersonal, gesellschaftlich). Wenn krisenhaftes Geschehen durch einen selbst bearbeitet wird, der Betroffene also an Lösungswegen beteiligt wird bzw. er sich daran beteiligt, ist eine direkte Motivation der Motor, der zugleich auch steuert.

Partizipation ermöglicht zum einen die Freiheit zu entscheiden, und zum anderen auch die Übernahme von Verantwortung in Bezug auf innere (private) und auch äußere (gesellschaftliche) Prozesse.

Das Leben und die Verläufe in der eigenen Hand zu haben und in großen Teilen selbstbestimmt handeln und entscheiden zu können, lässt einen 

​1. eine verantwortungsvolle Position sich selbst und anderen gegenüber einnehmen und

2. motiviert, denn die Wirksamkeit des eigenen Handelns wird unmittelbar erlebt.

 

Autonomie und Selbstbestimmung und Integration und Stabilisierung und Befähigung zur demokratischen Handlungsfähigkeit – das sind die Schlüsselbegriff der Partizipation.

 

 

Wie wirkt Partizipation? Und wo ist der Bezug zur IFI und zu den Hilfen zur Erziehung?

​Partizipation wirkt erst einmal  stärkend. Kinder, Jugendliche, Erwachsene werden (zu Recht) als Experten ihres Lebens und als „aktiver Gestalter …“ (Salutugenetisches Modell nach Antonovsky 1987// Bundeszentrale für politische Bildung, Band 1128, S.13) gesehen und darin gefördert und begleitet. Partizipation ist die Voraussetzung  für ein gesundes Aufwachsen und Grundlage unserer demokratischen Staatsordnung.

Die IFI orientiert sich seit jeher an dieser Grundhaltung. Gerade zur Gründung des damaligen Vereins wurden alle Entscheidung basisdemokratisch getroffen, wie Rolf Kötterheinrich und Renko Feldmann-Neuenkirchen im Gespräch ja auch beschrieben haben. Der Anspruch, sich zum „Retter der Kids“ zu machen, indem ihnen der vermeintlich richtige Weg vorgegeben wurde, war nicht da. Es wurde darauf vertraut, dass die Kids die Akteure sind und die Pädagogen sie auf ihrem Weg begleiten.

Je größer die IFI wurde, umso schwieriger wurde die konsequente Umsetzung der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Strukturen wurden verändert. Dazu gehörte auch, dass Entscheidungsbefugnisse definiert wurden. Nicht zuletzt auch, weil an dieser Stelle Klarheit und Struktur von den Kooperationspartnern erwartet wurde. Durch Gremienarbeit und kontinuierliche Transparenz hat sich die IFI ihre Grundhaltung und dem klaren Ja zur Beteiligung bewahrt.

In den Hilfen zur Erziehung ist die Beteiligung mittlerweile als Standard der inhaltlichen Gestaltung aller Maßnahmen zu begreifen. Erreicht werden soll dabei, dass positive Lern- und Lebensbedingungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und Familien geschaffen werden. Hierbei geht es auch um die Anwaltschaft für sie und um die Ermöglichung der Beteiligung im Rahmen der Maßnahmen.

Da die IFI seit jeher ihren Schwerpunkt im Bereich der Betreuung von Kids hat, zum Ende noch eine Konkretisierung: Worum geht es für die Kids?

  • darum, sie möglichst umfassend zu beteiligen;

  • darum, den pädagogischen Alltag so zu gestalten, das Kids darauf Einfluss nehmen können;

  • darum, den Kids einen sicheren Ort zu schaffen und mit ihnen Alltagsfragen auszuhandeln, ohne sie zu überfordern und ihnen alle Entscheidungen zu überlassen;

  • Räume für Kids zu ermöglichen, in denen sie selbst gestalten und die sie selbst ausfüllen können, ohne dass die Ergebnisse bereits vorgegeben sind.

Es geht um Klarheit in der Position zu etwas und um den Prozess, diese Position zu vermitteln und ggf. so auszuhandeln, dass Zufriedenheit bei den Beteiligten entsteht.

 

 

Was braucht Partizipation?

​Partizipation ist eine Haltung (der Betreuer) gegenüber anderen Personen und eng verknüpft mit dem Begriff Empowerment. Empowerment bezeichnet die Befähigung anderer, selbst aktiv sein zu können.

Wer eine partizipative Haltung in der Pädagogik einnimmt, ist ein aufmerksamer und wahrnehmender Mensch. Denn die Balance herzustellen aus Über- und Unterforderung, bedarf der genauen Wahrnehmung und Kenntnis seines Gegenübers.

Partizipation muss gelernt werden und braucht pädagogische Programme, eine enge Begleitung durch Betreuer und den Stellenwert höchster Wichtigkeit in der Gesamtorganisation.

Um demokratische Handlungskompetenzen zu stärken beziehungsweise zu entwickeln, brauchen Kids Anerkennung, einen sicheren Raum und angemessene Angebote. Dessen bedarf es und von Seiten der Betreuer ein klares Ja zur Beteiligung. Dieses Ja ist nicht ausreichend, indem es ausgesprochen wird, sondern es muss als Maxime gelebt werden.

Institutionelle Verankerung, d.h. zuverlässige Verortung in den Statuten (Leistungsbeschreibungen) der Organisation gehört dazu. Das schafft Vertrauen und unterstreicht den Anspruch der Umsetzung und Haltung gegenüber der Beteiligung.

Kids brauchen…

  • eine alters- und entwicklungsgerechte Form der Beteiligung. Dazu gehört auch, sie angemessen über ihre Rechte und über Beteiligung und Demokratie zu informieren.

  • ernstgemeinte Beteiligungsangebote und regelmäßig stattfindende Beteiligung.

  • Verbindlichkeit und einen Regelrahmen.  

 

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