Empowerment & Partizipation

 Partizipation "live"

Partizipation spielt sich immer mehrdimensional ab – wenn eine konkrete Umsetzung „wirklich“ gewollt ist. Und erst dann, wenn im Alltag mit seinen vielen verschiedenen Facetten die Beteiligungsmöglichkeiten real gelebt werden können, zeigt sich, ob eine Einrichtung es ernst damit meint.

 

Dafür bot eine Veranstaltung des Landesjugendamtes mit der Veranstaltung zur Partizipation in den HzE natürlich eine Steilvorlage. Im Folgenden kann Jörg Spanjer berichten, wie Kinder und Jugendliche diese Veranstaltung als Forum für sich nutzten und dabei gleichzeitig „ihre“ IFItime ins Spiel brachten. Hier der Beitrag aus der ifigenie 1/2013.

 

Alles begann mit einem dicken Bündel bedruckten Papiers, das mir Rolf im November letzten Jahres mit den Worten die Hand drückte. „Hier ist das Material für die erste Ausgabe der Kids-ifigenie, mach‘ was Schönes draus!“

 

Zunächst machte ich das, was man so macht, wenn ein größeres Projekt ansteht: einen Zeitplan. Die Maßgabe: Zum Weihnachtsfest sollte der Erstling der Jugendredaktion unter dem Christbaum liegen. Zeit genug. Doch schon John Lennon selig wusste: Leben ist das, was passiert, während du Pläne machst. In diesem Falle durchkreuzte das Landesjugendamt – ungewollt – meine terminlichen Vorstellungen. Die Behörde lud für den 7. Dezember zu einer „Infobörse Partizipation“ nach Hannover ein – und die Kids der IFI-Jugendredaktion (in der im Übrigen neben Kids aus IFI gGmbH-Projekten auch Kids der meracon gGmbH mitarbeiten) sollten dort statt einer steifen Podiumsdiskussion mit Erwachsenen eine öffentliche Redaktionssitzung abhalten und ihre Zeitschrift vorstellen ... Was ja nur mit einer fertigen Zeitschrift geht.

 

Also ab in den Papierkorb mit dem Zeitplan und flugs an den PC gesetzt. „BRAVO-Look“, „Grunge-Stile“ und viel „bunt“ waren angesagt – schließlich handelt es sich bei der IFItime um ein Jugendmagazin. Layouter-Herz, was willst du mehr!

Ich tobte mich also im Farbtopf der Möglichkeiten aus und setzte die tollen Geschichten der Kids – die von Redaktionsleiterin Martina Freericks behutsam aufbereitet worden waren – grafisch in Szene. Einige Nachtschichten später „stand“ die erste „IFItime“; die Druckerei spielte mit, und pünktlich am 4. Dezember konnte das Heft in einer Auflage von 750 Stück an die IFI ausgeliefert werden.

Zu meiner großen Freude war ich unterdessen von Martina eingeladen worden, die Kids-Redaktion zu ihrem großen Tag nach Hannover zu begleiten. Natürlich sagte ich ja. Und natürlich wollte ich die Jung-Redakteure vorher kennenlernen. In der Vorbesprechung für die Hannover-Präsentation machte ich mich also mit „Minh“, „Caro“, „Kira“ und „Leonardo da Vinci“ (so ihre Alias-Namen) bekannt. Gemeinsam überlegten wir, wie wir den Tag gestalten würden. Ich schlug vor, während des Tages in Hannover ein „Extrablatt“ zu produzieren, es in Echtzeit mit den Fotos und Erlebnissen der Kids zu füttern und an Ort und Stelle zu verteilen. Zugegeben, die Idee war kühn. Sie wurde von den Kids auch mit der entsprechenden Mischung aus Skepsis und Unglaube zur Kenntnis genommen. Aber ich spürte dennoch einen versteckten Ehrgeiz, dieses Projekt gemeinsam durchzuziehen.

 

 

Nervös, aber gut vorbereitet

​Es kam der 7. Dezember. Gemeinsam mit meiner Partnerin Sigrid trat ich frühmorgens die Fahrt nach Hannover an, einen DIN A3-Drucker, einen Packen Papier und ein Notebook im Gepäck. Im Landesjugendamt angekommen, bauten wir unsere Redaktion in einem komfortablen Besprechungsraum auf, den uns das Amt zur Verfügung stellte. Die Kids waren mit ihren Betreuern schon da, zwar ein wenig nervös, aber gut vorbereitet. Die in der Vorbesprechung gesammelten Fragen an die Teilnehmer des Infotages wurden noch einmal überprüft, Kameras und Diktiergeräte klargemacht.

In der ersten großen Tagungspause wurde es ernst. Die Kids schwärmten aus, um ihre Interviews zu machen. Und jetzt geschah etwas, das so abstrakt mit „Empowerment“ umschrieben wird: Ermutigt durch die ersten gelungenen Gesprächssituationen wurden gestandene Einrichtungsleiter und –vertreter jetzt entschlossen und mit vorgehaltenem Diktiergerät eingehend befragt und fotografisch abgelichtet. Partizipation live. Im Redaktionsraum hatte ich meine liebe Mühe, die vielen Fotos und Interviews zu sortieren und in das Extrablatt einzubauen. Nebenan surrte der Drucker, der nach und nach die fertigen Extrablätter auswarf. Beruhigend, Sigrid neben mir zu wissen, die beim Füttern des Druckers und Falzen der ausgeworfenen A3-Blätter half. Schnell wuchs der Stapel fertiger Extrablätter auf dem Tisch an, bewundernd beäugt von den begeisterten Mitarbeiterinnen des Landesjugendamtes, die immer mal wieder neugierig ins Redaktionsbüro hereinschauten.

Inzwischen bereitete sich die Redaktion auf ihren großen, abschließenden Auftritt vor dem Fachpublikum vor. Dies war der Moment, wo ich gerne einen Job verlor. Denn eigentlich war ich als Moderator der fiktiven Redaktionskonferenz vorgesehen. Und ich müsste lügen, würde ich behaupten, mir sei angesichts des zu erwartenden Publikums nicht mulmig gewesen. Doch plötzlich ergriff Kira die Initiative, bereitete aus eigenem Antrieb die Flip-Chart vor, sammelte Fragen, strukturierte das Vorgehen und gab selbstbewusst bekannt: „Ich leite die Redaktionskonferenz.“

So kam es – und rund 100 Jugendhilfe-Vertreter wurden Zeugnis eines denkwürdigen Moments. Denn wie die vier Jugendlichen diese Situation meisterten, am halbrunden Tisch vor erwartungsvoll und skeptisch dreinblickenden Erwachsenen, das war erhebend und berührend zugleich. Mit bewundernswerter Leichtigkeit führte Kira durch das Programm, arbeitete ihre Liste von der Flip-Chart ab, improvisierte, befragte mit dem Mikrofon ihre Redaktionskollegen und ganz selbstverständlich auch das Publikum. Der anerkennende Applaus des Publikums und der Organisatorinnen vom Landesjugendamt war dem jungen Podium sicher.

Stolz und erhobenen Hauptes traten die Kids in Begleitung ihrer Betreuer die Heimreise an. Und wenn Caro auf der Rückfahrt sagte, dies sei der schönste Tag ihres Lebens gewesen, dann macht Partizipation in den Hilfen zur Erziehung Sinn.

Die erste Ausgabe der „IFItime“

Das „IFItime Extrablatt“, mit dem die Besucher der Infobörse Partizipation in Hannover überrascht wurden.

So geht Partizipation in den Hilfen zur Erziehung: Caro (links) und Minh (rechts) von der IFItime im Interview mit Vertretern einer Jugendhilfeeinrichtung während der Infobörse Partizipation beim Landesjugendamt Hannover.

Die Erstausgabe der IFItime wurde fleißig unters Fachpublikum gebracht.

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