Qualitätssicherung

Am Evaluation der Anfragesituation:
Gegen den Trend

Die Anfragesituation in den intensivbetreuten Wohnformen der IFI gGmbH verändert sich gegen den Trend: Die Anfragen werden „jünger“ und „weiblicher“. Das ergeben Auswertungen von Daten aus der IFI-eigenen Software IFISys. Wie sich das im Einzelnen darstellt, erläutern Michael Weinreich und Dr. Rolf Kötterheinrich.

Auch wenn sich die IFI gGmbH als „Lokalmatador“ versteht und in erster Linie mit den  Jugendämtern vor Ort kooperiert und dies gerne tut, weitet sich die fachliche Auseinandersetzung und Kooperation aus, was neue Möglichkeiten eröffnet.

Dieses einmal zahlenmäßig in ausgewählten Einzelaspekten näher in den Fokus zu nehmen, erlaubt nunmehr das eigens für die IFI entwickelte PC-Programm IFISys, das es neben vielen anderen Aspekten auch ermöglicht, gezielte Blicke auf die Anfragensituation zu werfen und statistisch auszuwerten.

So sind dementsprechende Daten seit 2014 erfasst. Diese können noch keine belastbaren Ergebnisse liefern, dennoch sind Veränderungen feststellbar.

Ein Ergebnis: Die stationäre IFI gGmbH-Belegungsanfragesituation zum Beispiel in den intensivbetreuten Wohnformen wird jünger und weiblicher. Das verraten uns die neusten Zahlen aus den Intensivgruppen im Bereich der Anfragen. Viele Kinder, für die mittlerweile angefragt wird, sind noch in einem „einstelligem“ Alter (oder wenige Monate älter). In Anbetracht der Häufigkeit und Intensität der Anfragen stellen sich damit Fragen nach unserer Beweglichkeit (Flexibilität der IFI), was Betreuungsformate, Durchlässigkeiten im IFI-System, Verweildauer und interne und externe Infrastruktur angeht.

Aber auch die Geschlechterverhältnisse ändern sich im Anfragenbereich. Diese Zahlen zu interpretieren, bedeutet eine Herausforderung. Auf der einen Seite sicherlich interessant, auf der anderen Seite bieten sich aber auch viele Deutungsmuster.

Der Anstieg der Nachfragen für Mädchen (entgegen dem Trend in den letzten Jahren/Jahrzehnten) könnte sich begründen:

  • im Aufnahmeszenario  z.B. der Kinder- und Jugendpsychiatrien (hier wurde lange der internalisierende Behandlungsbedarf vorrangig der Mädchen gesehen im Gegensatz zu  den externalisierenden Verhaltensweisen der Jungen, die dann eher direkt in die Jugendhilfe zu führen schien);

  • im Entlassungsszenario der Kinder- und Jungendpsychiatrie (z.B. Verweildauer und Perspektivklärungen);

  • Mädchen werden zunehmend eher gehört/wahr- und ernst genommen als vorher;

  • Die Täter- Opferdiskussionen finden eine Veränderung hin zum Opferschutz.

  • oder, oder, oder …

 

Vielleicht bieten sich auch kombinierte Erklärungsmuster an, aber zunächst bleibt abzuwarten, ob es sich wirklich um einen Trend handelt oder um ein derzeit zufälliges Phänomen.

 

Die wachsende Zunahme von weiblichen Anfragen könnte sich signifikant auf die Zusammensetzung der bisherigen Betreuungssegmente auswirken und auch noch andere Fragen an die gültige pädagogische Einbettung stellen.

Sicher, alle Betreuungsformen werden angefragt (u.a. Regelgruppen, Intensivgruppen, Schutzhaus, ambulante Angebote, Mutter-Kind-Maßnahmen); aber es gibt eine deutliche Konzentration auf intensive, hochfrequente Leistungsangebote, manchmal mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass auch die zusätzliche Vereinbarung von Einzelstunden  kein Verabredungshindernis darstelle.

Aber es kommen neue Aufgaben- und Fragestellungen hinzu: Wie verändert sich das Klientengefüge einer Gruppe? Welche Themen, auch (Gruppen-)Probleme werden neu zu ordnen und zu begleiten sein? Müssen zukünftig nicht mehr die vereinzelten Mädchen, sondern die „seltenen“ Jungen besonders geschützt werden?

Wie gehe ich als Betreuerin/Betreuer mit dem Kaleidoskop verschiedenster Lebensentwürfe bzw. -annahmen von kleinen Mädchen und schon älteren Jugendlichen auf dem Weg zum Frau-sein um?

Wie geht es mir damit, wenn die aggressiv getönten jungen Männern seltener kommen – ich es dafür doch mehr mit „internalisierenden“ Störungen zu tun bekomme?

Weitere Aspekte, die sich aus dem vorliegenden Datenmaterial ersehen lassen, sind zum Beispiel  die stärkere Verschaltung von „Multiplikatoren“ (Psychiatrien, Selbsthilfegruppen, Initiativen) sowie die multiaxiale Erfassung von Störungsbildern und Auffälligkeiten.

Was wohl bleiben wird, ist der Wunsch nach schneller Aufnahme.  Das ist (leider) nicht immer möglich und wirft Fragen bezüglich des  Belegungsmanagements auf, die wir in der nächsten Ausgabe der ifigenie einmal näher beleuchten wollen.        

Verteilung der Anfragen für Aufnahmen in Intensivgruppen nach Geschlecht 2015 (kumuliert).

Verteilung der Anfragen für Aufnahmen in Intensivgruppen nach Geschlecht 2016 (kumuliert).

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